3 Jahre Aktivstall …..

… lässt mich ein kleines Resümee ziehen. In 2013 sind nur 2 neue Pferde eingezogen. Eine Stute im Juli und mein kleines Nachwuchspferd im September. Die Herde ist durch die wenigen Integrationen im letzten Jahr sehr stabil. Im oberen und unteren Drittel gibt es kaum Diskussionen, im Mittelfeld wird ab und an geguckt, ob man heute nicht vielleicht doch vorher zur Kraftfutterstation darf, aber auch das ist meist schnell wieder vom Tisch. Einzig die Jungen versuchen ab und an auszutesten, ob sie nun vielleicht schon eine Stufe höher steigen dürfen oder die Stuten sind hormongeplagt sehr verliebt und müssen das unbedingt dem Rest mitteilen. Aber insgesamt ist die Herde größtenteils von einem geprägt: RUHE und Routine.

Wir haben 23 Pferde in der großen Herde. 14 Wallache und 9 Stuten. Der Kleinste ist 1,23 (Dartmoor Pony), der Größte 1,82 (Württemberger). Der Jüngste ist 2, der Älteste wird 24. Alle finden hier ihre Ruhe, die sie brauchen, alle kommen zum schlafen und ruhen und zu dünn ist bei uns auch niemand.

Wir haben keine Probleme mit Koliken oder größeren Verletzungen, auch wenn es natürlich hie und da eine kleine Schramme oder einen Bluterguss gibt. Aber es sind immer noch Pferde, die oft viel weniger zimperlich untereinander umgehen, als wir es ihnen dann doch zugestehen wollen. Trotzdem sehen wir die Tierärzte meistens nur zum impfen. Es gibt Pferde, die seit Anfang an komplett barhuf sind, andere sind beschlagen, Plastik oder Eisen, alles findet sich hier.

Wir haben die unterschiedlichsten Charaktere. Wir haben everybody’s darling, wir haben die Kumpeltypen, ein paar wenige Führpferde, wir haben ein Pärchen, dass sehr autark ist und wo er sich nur für die Spielstunden von ihr absondert.

Wir haben Griesgrame, einen Autisten, wir haben Ausgleicher und Auftreiber. Wir haben „lästige Wimmerl“, die am liebsten bei allem mithelfen, wir haben aber auch sehr vorsichtige Pferde, für die eine zu schnelle Bewegung schon zuviel sein kann. Wir haben Schnarchnasen und Clowne, Schmusebacken und Sensibelchen, Matronen und Prinzessinnen, Arnold Schwarzen-
egger und Woody Allen, Justin Bieber und Lady Gaga, extro- und introvertierte Typen. Viele haben von allem etwas und gerade die Mischung macht es.

Eines kann ich mit Sicherheit sagen: JA, es ist möglich, dass in einem Aktivstall alle Mitglieder schlafen können und genügend zu fressen bekommen. NEIN, es ist nicht für alle Pferde die ideale Haltungsform, wenn auch für die meisten. In den 3 Jahren sind erst 5 Pferde gegangen. 2 davon sind in den kleineren Laufstall (4 Pferde) umgesiedelt, weil es für die beiden die bessere Haltungsform darstellte. Eines hat uns im ersten halben Jahr bereits nach 2 Monaten wieder verlassen, 2 sind ebenfalls wieder in eine Paddockbox umgezogen. Seit über einem Jahr hat kein Pferd mehr die Herde verlassen. Auch das merkt man der Herdenstruktur deutlich an.

Würde ich es nochmal machen? Ein klares JA. Auch nach 3 Jahren werde ich nicht müde, der Herde beim täglichen Leben zuzugucken. Die Ruhe, die einen morgens umfängt, wenn die Herde noch schläft und man durch liegende und im Stehen dösende Pferde im Liegebereich mistet, ist einzigartig. Man möchte einfach nur stehenbleiben und die Kraft tanken, die von diesen herrlichen Tieren ausgeht.

Wenn um 10.00 Uhr unsere Hauptstutengruppe ins Heu geht, wandelt sich das Bild. Kaum sind die erziehenden Damen aus dem Blickfeld treiben die Jungen auf. Dann wird gespielt was das Zeug hält und auch vor den Älteren nicht halt gemacht. Die danken es einem mit aktivem Mitgespiele und glänzenden Augen. Wer nicht mag, bleibt einfach da wo er ist und das wird auch respektiert. Um die Mittagszeit kehrt wieder Ruhe ein, danach beginnt das Spiel von neuem.

Geritten werden ist hier das Guddi on top. Viele sind zufrieden mit dem was sie hier tagtäglich haben. Sie müssen nicht bewegt werden, sie machen es von alleine. Im Durchschnitt bewegt sich hier ein Pferd 10km/Tag (auf dem Paddock), wenn gespielt wird bzw. im Sommer auf den Koppeln deutlich mehr. Aber natürlich genießen die Bewohner die Zuwendung von ihren Besitzern und fangen mitnichten das „fremdeln“ an. Nein, auch das gehört bei vielen mittlerweile zum Tagesablauf … denn die meisten wissen, wann ihr Besitzer kommt.

Und wenn nicht, hören sie’s am Auto oder spätestens an der Stimme oder sie erkennen sie am Gang. Dies beobachte ich selbst bei meinem eigenen Pferd immer wieder und bin immer wieder erstaunt. Die feinen Sinne der Pferde, oftmals unterschätzt oder vergraben. In so einer Haltungsform natürlich scheinbar wieder wichtig.

Es gibt nicht viel, was ich anders machen würde und wenn dann sind es nur Kleinigkeiten. Und wenn ich mal wieder genervt bin, weil es kalt ist oder regnet, weil die Schubkarre heute wieder besonders schwer ist, wenn mal wieder etwas kaputt ist oder wenn die spielenden Jungspunde donnernd durch den noch nicht gemisteten Paddock-
bereich laufen und die Haufen in 1.000 Einzelbestandteile verteilen, dann schaffe ich es mittlerweile inne zu halten und das Wesentliche zu sehen …

23 glückliche Pferde, die Spaß haben und denen es gut geht. Der Rest … ist hausgemacht ;)

In diesem Sinne auf die nächsten 3 Jahre Aktivstall!

Eure Andrea


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